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Gemma Bovery
Interview Fabrice Luchini
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Gemma Bovery - Interview mit Gemma Arterton


© Prokino

Geboren am 2. Februar 1986 im britischen Gravesend, wuchs Gemma Christina Arterton nach der Scheidung ihrer Eltern zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Hannah (die derzeit in dem beschwingten Musical Walking on Sunshine zu sehen ist) bei der Mutter auf. Sie besuchte eine Privatschule und nahm schon als Teenager Schauspielunterricht, bevor sie ein Stipendium für die Londoner Royal Academy of Dramatic Art erhielt und dort ein Schauspielstudium begann.

Ihre erste Rolle in Stephen Poliakoffs Fernsehfilm Capturing Mary (mit Maggie Smith) spielte sie 2007 noch während des Studiums. Im selben Jahr stand sie auch zum ersten Mal für einen Spielfilm vor der Kamera: In der Internatskomödie Die Girls von St. Trinian übernahm sie an der Seite von Rupert Everett eine der weiblichen Hauptrollen.

Die viel beachtete Newcomerin wurde anschließend in der anspruchsvollen Titelrolle der BBC-Literaturverfilmung Tess of the d’Urbervilles (nach dem berühmten Roman von Thomas Hardy) besetzt, von Regisseur Guy Ritchie für seinen Actionthriller Rock'n'Rolla engagiert, wo sie neben erfahrenen Partnern wie Gerard Butler und Mark Strong einen starken Eindruck hinterließ, und begeisterte in der musikalischen Komödie Radio Rock Revolution mit Bill Nighy und Philip Seymour Hoffman.

Als Bond-Girl an der Seite von Daniel Craig erlangte sie in James Bond 007 – Ein Quantum Trost schließlich weltweite Aufmerksamkeit. Obwohl Gemma Arterton immer öfter für Hollywoodproduktionen wie Kampf der Titanen oder Prince of Persia: Der Sand der Zeit engagiert wurde, blieb sie dem britischen Film treu und spielte in unabhängigen Produktionen wie The Disappearance of Alice Creed oder in Stephen Frears’ Komödie Immer Drama um Tamara, die, wie auch Gemma Bovery, auf einem Bilderroman von Posy Simmonds basiert.

Nach Engagements in so unterschiedlichen Filmen wie dem Horror-Actionthriller Hänsel und Gretel: Hexenjäger mit Jeremy Renner, dem raffinierten Poker-Krimi Runner Runner mit Ben Affleck und Justin Timberlake, der britischen Altenheim-Komödie Song for Marion mit Vanessa Redgrave und Neil Jordans modernem Vampirthriller Byzantium, in dem sie die Mutter von Saoirse Ronan spielt, steht Gemma Arterton demnächst für die Ruth-Rendell-Verfilmung The Keys to the Street als misshandelte Frau vor der Kamera. Sie spielt darin neben Tim Roth und Nachwuchsstar Max Irons eine Frau, die vor ihrem gewalttätigen Mann fliehen muss.

Was hat Sie für dieses Projekt begeistert?

Ich muss gestehen, dass ich unsicher war, ob ich zusagen sollte, als ich das Drehbuch zugeschickt bekam. Immerhin hatte ich schon Immer Drama um Tamara gedreht, der ebenfalls auf einer Vorlage von Posy Simmonds basiert. Aber letztlich unterscheiden sich Gemma und Tamara doch sehr, auch wenn der Ton der Comics sich ähnelt, und Gemma hatte etwas, das mich für sie einnahm. Außerdem entdeckte ich mehr Gemeinsamkeiten mit Gemma als mit Tamara. Und dann spielt die Geschichte auch noch in Frankreich, und die Aussicht, Französisch zu lernen, fand ich sehr reizvoll. Ganz zu schweigen davon, dass Anne Fontaine eine sehr sensible Regisseurin ist und ich große Lust hatte, mit ihr zu arbeiten.

Kannten Sie Posy Simmonds' Bilderroman?

Ich hatte davon gehört, das Buch aber nicht gelesen. Also nahm ich mir zuerst das Drehbuch vor und anschließend den Roman, der wirklich brillant ist. Die Verfilmung nimmt sich manche Freiheiten, denn die Handlung des Comics spielt im Unterschied zum Film größtenteils in London. Posy ist eine tolle Autorin, denn sie legt Wert auf Details, und was die Zeichnung ihrer Charaktere angeht, ist sie sehr präzise. Interessant fand ich, dass Gemma im Roman viel aggressiver und bissiger angelegt ist, jedenfalls kommt sie nicht sehr sympathisch rüber. Aber in einer Verfilmung eine solche Figur zu spielen, macht wenig Sinn – wer hat schon Lust, sich so jemanden anzusehen? Ich wollte mich unbedingt mit der Heldin identifizieren.

Hat Ihnen Flauberts Heldin Emma Bovary geholfen, ein Gefühl für Ihre Filmfigur zu entwickeln?

Absolut! Madame Bovary hat nicht viel zu tun im Leben, deshalb ist es in erster Linie Langeweile, die den Kern ihres Wesens ausmacht – und Gemma ist eine moderne Madame Bovary. Hilfreich fand ich auch die Landschaften, die Menschen und die Traditionen, die im Buch beschrieben werden, denn die Normandie hat sich bis heute kaum verändert. Es entspricht den romantischen Vorstellungen, die Briten von der Normandie haben, und genau mit diesem Weltbild lassen sich Gemma und ihr Mann Charles in dieser Gegend nieder.

Wie würden Sie Gemma beschreiben? Weiß Sie eigentlich, wie schön und verführerisch sie ist?

Nein, gar nicht. Selbstbewusstsein hat sie auch keins. In London war sie eine normale junge Frau ohne besondere Eigenschaften, ihre Erfahrungen mit Männern halten sich in Grenzen. Kaum lebt sie jedoch in der Normandie, wirkt sie wie von innen erleuchtet, die neue Umgebung verleiht ihr eine gewisse Exotik – und das, obwohl sie sich selbst überhaupt nicht als exotisch empfindet.

Beschreiben Sie bitte die Beziehung zwischen Gemma und der von Fabrice Luchini gespielten Figur.

Am Anfang kennt sie niemanden, und dieser Mann hilft ihr ein wenig dabei, sich zurechtzufinden. Sie sieht ihn täglich, wenn sie ihr Brot kauft, und obwohl er ihr ein bisschen seltsam vorkommt, findet sie ihn eigentlich ganz nett. Wenn man nicht dieselbe Sprache spricht, sind Missverständnisse im Grunde unvermeidlich. Fabrice und mir ist es so ergangen, weil ich anfangs nicht sehr gut Französisch sprach, und zwischen Gemma und Martin passiert das Gleiche: Es hapert mit der Kommunikation, und deshalb wird nie so ganz klar, wo ihre Beziehung eigentlich steht.

In gewisser Weise mag sie ihn, aber sie ahnt ja auch nicht, dass er geradezu besessen von ihr ist. Das ist sehr wichtig, denn als sie endlich dahinterkommt, dass er sie mit Madame Bovary verwechselt, ist das ein Schock für sie – schließlich ist sie nicht in ihn verliebt. Auf der anderen Seite sympathisiert sie mit Martin, denn er ist romantisch und lebt in einer Fantasiewelt, und weil sie selbst nichts unversucht lässt, um aus ihrem Alltag zu entfliehen, haben sie das schon mal gemeinsam. Er betrachtet sie mit den Augen eines Kindes, ganz verzaubert. Sexuell ist das Ganze nicht, sonst wäre es ja auch ein bisschen eklig. Was ihre Beziehung auszeichnet, ist eine gewisse Naivität und Arglosigkeit.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Weil ich dafür Französisch lernen musste, bin ich ein paar Monate vor Drehbeginn gleich ganz nach Paris gezogen. Da ich kein Wort Französisch konnte, war ich ziemlich angespannt. Ich weiß noch, wie Anne ständig zu mir sagte: »Du ähnelst deiner Filmfigur!«, weil ich unbedingt Land und Leute kennenlernen wollte. Natürlich hatte Anne Recht, denn Gemma landet ja auch in einer fremden Kultur und fühlt sich plötzlich fehl am Platz. Ich selbst bin schließlich in die Bretagne gereist, wo ich ein paar Wochen lang intensiv Französischunterricht genommen habe. Ich bin auch mit Einheimischen ausgegangen, habe zum Beispiel Konzerte besucht. Das war eine gute Vorbereitung für den Film.

Stand Ihnen Anne Fontaine in der Vorbereitungsphase zur Seite?

Ja, ich habe viel Zeit mit Anne verbracht. Im Grunde war es für mich das erste Mal, dass jemand Regie führt, der mich bei meinen Vorbereitungen so intensiv begleitet hat. Wir trafen uns ein-zweimal die Woche, um über den Film zu reden, und sie erklärte mir, wie ich meinen Text ohne jegliche Betonung einüben sollte, einfach nur, um mich an den Klang der Sätze zu gewöhnen. Als wir dann ans Set kamen, wollte ich auf keinen Fall, dass die Sprache mich in meiner Arbeit als Schauspielerin behindert. Ich schätze, so lange wie diesmal habe ich mich noch nie auf einen Film vorbereitet – immerhin fing ich im Januar damit an, und wir haben erst Ende August mit den Dreharbeiten begonnen.

Was für eine Regisseurin ist Anne Fontaine?

Sie hat großen Respekt vor den Dialogen, und das gefällt mir bei einer Regisseurin. Sie beschäftigt sich im Vorfeld sehr intensiv mit dem Text, um sicherzustellen, dass sie beim Drehen keine Änderungen mehr daran vornehmen wird. Insofern kommt sie extrem gut vorbereitet ans Set und weiß genau, was sie will. Trotzdem verschließt sie sich nicht den Zufällen und unvorhersehbaren Ereignissen, die bei jedem Film passieren, auch für meine Vorschläge hatte sie stets ein offenes Ohr.

Wenn sich Dinge spontan ergeben, lässt sie sich durchaus davon beeinflussen. Wie sie mit ihren Schauspielern arbeitet, ist großartig: Gerade weil sie sich sehr gut vorbereitet, ist sie ausschließlich für ihre Darsteller da und muss sich beispielsweise keine Gedanken mehr darüber machen, wo die Kamera stehen soll. Sie versetzt sich hundertprozentig in ihre Schauspieler, und dafür bin ich sehr dankbar.

Es war das erste Mal, dass Sie mit einem französischen Filmteam gedreht haben...

Und es war eine wunderbare Erfahrung, denn in Frankreich hat man großen Respekt vor der Filmkunst. Die Techniker waren ausnahmslos Fachleute auf ihrem Gebiet, und unser Chefkameramann war fantastisch! Wir hatten alle nur ein Ziel: die Geschichte bestmöglich zu erzählen.

Und wie war die Zusammenarbeit mit Fabrice Luchini?

Irgendwie seltsam – ein bisschen spiegelte sie die Geschichte des Films wider. Anfangs war mein Französisch ja nicht so toll, aber er gab ständig offenbar sehr witzige Sachen zum Besten, auf seine unnachahmliche Art. Aber weil ich keinen blassen Schimmer hatte, was er da erzählte, ließ es mich natürlich kalt. Alle lachten, nur ich nicht. Unsere Beziehung ging die längste Zeit nicht darüber hinaus. Erst als die Dreharbeiten sich dem Ende zuneigten, fand ich immer mehr Gefallen daran, mit Fabrice vor der Kamera zu stehen, und wir hatten großen Spaß, miteinander zu spielen. Ich liebe die Szene, in der er die Maus tötet – er versucht, sich zu konzentrieren und bleibt mucksmäuschenstill, während ich herumschreie, weil mir die Maus über die Füße huscht. Was haben wir beim Drehen dieser Sequenz gelacht! ■ mz | Quelle: Prokino

27. September 2014
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OT: Gemma Bovery
Drama/Komödie
F 2014
99 min


mit

Fabrice Luchini (Martin Joubert) Stephan Schwartz
Gemma Arterton (Gemma Bovery) Annina Braunmiller
Jason Flemyng (Charlie Bovery) Thomas Loibl
Isabelle Candelier (Valérie Joubert) Elisabeth von Koch
Niels Schneider (Hervé de Bressigny) Max Felder
Edith Scob (Madame de Bressigny) Heidi Treutler
Mel Raido (Patrick) Jakob Riedl
Elsa Zylberstein (Wizzy) Claudia Lössl
Pip Torrens (Rankin) David Williamson
Kacey Mottet Klein (Julien Joubert) Karim El-Kammouchi
u.a.

drehbuch
Pascal Bonitzer
Anne Fontaine
nach dem Bilderroman von Posy Simmonds

musik
Bruno Coulais

kamera
Christophe Beaucarne

regie
Anne Fontaine

produktion
Albertine Productions
Ciné@
Gaumont
Cinéfrance 1888
France 2 Cinéma
Canal+
France Télévisions
Orange Cinéma Séries
Ruby Films
BFI

verleih
Prokino

Kinostart: 18. September 2014