Donnerstag, 13. Juni 2024

LINKS

Bildergalerie
Kinofinder
Filmseite
Beitrag teilen
Kinostarts September

Gemma Bovery

INTERVIEWS

Fabrice Luchini
Gemma Arterton
Posy Simmonds

VIDEOS

Trailer

Gemma Bovery - Interview mit Anne Fontaine

View image | gettyimages.com

1959 als Fontaine Sibertin-Blanc in Luxemburg geboren, wuchs sie bei ihrem Vater in Lissabon auf, der dort Musikprofessor und Orgelspieler in einer Kathedrale war. Als Jugendliche zog sie nach Paris, um Tanzunterricht bei Joseph Russillo zu nehmen, während sie ihre akademische Bildung fortsetzte, wozu auch Philosophie gehörte. 1980 wurde sie von Robert Hossein entdeckt und spielte die Esmeralda in einer Bühnenversion von „Der Glöckner von Notre-Dame“. Um mit einem gängigen Namen mehr Aufträge zu bekommen nannte sie sich in Anne Fontaine um und spielte kleinere Rollen in Filmen wie Zärtliche Cousinen und P.R.O.F.S... und die Penne steht Kopf. Erste Regieerfahrungen sammelte sie 1986 bei der Bühnenfassung von Célines „Reise ans Ende der Nacht“ am Renaud-Barrault Theater.

Ihr erster Film in Alleinregie, Liebesgeschichten enden im Allgemeinen böse, gewann 1993 den Jean-Vigo-Preis. 1995 drehte sie mit ihrem Bruder Jean-Chrétien Sibertin-Blanc in der Titelrolle die Komödie Augustin, der 1999 in Augustin, Kung-Fu-König und 2006 in Nouvelle Chance erneut in die Rolle schlüpfte. 1997 erhielt ihr Film Eine saubere Affäre bei den Filmfestspielen von Venedig den Preis für das beste Drehbuch und wird allgemein als Meilenstein auf Fontaines Weg gesehen, „eine bedeutende Figur im zeitgenössischen französischen Kino“ zu werden. Ihre Filme lassen sich nicht so einfach Kategorisieren. Oft wird von „psychologischem Drama“ gesprochen. Zu ihren weiteren Werken gehören Nathalie - Wen liebst Du heute Nacht? und Das Mädchen aus Monaco.

Anne Fontaine liefert nach ihrer Ehekrachkomödie Mein liebster Alptraum und ihrem ambivalenten Familienausflug nach Australien mit Tage am Strand erneut eine Liebes-Quadrats-Geschichte, basierend auf einem Bilderroman von Posy Simmonds.

Wie sind Sie auf den Bilderroman von Posy Simmonds gestoßen?

Ich kannte „Tamara Drewe“ und wusste daher, wer Posy Simmonds ist. Als ich den Titel „Gemma Bovery“ sah, war ich sofort Feuer und Flamme, denn ich fand das Wortspiel mit dem Namen einer der großen literarischen Frauenfiguren witzig und vielversprechend. Dann las ich den Roman und merkte, wie mich die Figuren faszinierten und bewegten. Ich erkannte ihr komisches Potenzial und ihre menschliche Komplexität, und der Ton, den die Autorin anschlägt, irgendwo zwischen beißender Komödie und erfrischender Ironie, hat mich ebenfalls begeistert.

Genau wie die unglaubliche Begegnung zwischen einem Bäcker und einer modernen jungen Engländerin, die das Leben des Helden auf den Kopf stellt, obwohl der überzeugt ist, dass er seine Libido unter Kontrolle hat und sich deshalb längst im sexuellen und emotionalen Vorruhestand befindet. Doch dann dreht er durch und beginnt, eine Romanfigur, Emma Bovary, mit der sehr reellen Gemma Bovery zu verwechseln.

Dieser fetischistische Aspekt war es, der mir wie gemacht schien für ein potenzielles Drehbuch. Beim Schreiben habe ich mich bemüht, der Vorlage treu zu bleiben – und habe mir gleichzeitig einige Freiheiten erlaubt. Zum Beispiel greift Joubert, der Erzähler, bei Posy Simmonds eher indirekt in die Geschichte ein. In unserem Film haben wir seine Präsenz und seine Mobilität deutlich ausgeweitet.

Das Drehbuch haben Sie gemeinsam mit Pascal Bonitzer und Posy Simmonds geschrieben.

Um den Ton, den Posy Simmonds anschlägt, adäquat zu übertragen, musste das Komödiantische extrem pointiert ausfallen, denn der depressive Bäcker hat etwas von einem französischen Woody Allen: Es sind seine Eigenarten und seine blühende Fantasie, die das Komische hervorbringen. Als ich Pascal kennenlernte, wurde mir klar, dass sein Sinn für Humor mit einer gewissen Verzweiflung getränkt ist, wenn er seine Figuren sprechen lässt. Für mich sind diese beiden Dinge untrennbar miteinander verbunden.

Joubert erlebt, wie aus zweiter Hand, die immer heftiger werdende Liebe zu einer wahnsinnig sinnlichen jungen Frau, die wiederum sieht in ihm aber keineswegs einen begehrenswerten Mann, sondern einfach nur einen Bäcker. Ich wusste, wie entscheidend Ton und Esprit sein würden, um das Komische an diesem Missverhältnis auszudrücken. Als wir mit dem Schreiben loslegten, entwickelten Pascal und ich schnell die gleiche Begeisterung für das Thema, und schließlich holten wir Posy für die englischen Dialoge mit ins Boot.

Unsere Zusammenarbeit erwies sich als äußerst wertvoll, denn manchmal wurden wir ihrer Vorlage ja „untreu“, und wenn wir ihr das erläuterten, erwies sie sich als so flexibel, dass sie unsere Vorschläge meistens sehr wohlwollend aufnahm. Es war interessant zu sehen, wie sie Szenen beurteilte, die wir uns ausgedacht hatten, Szenen, die zwar von ihrer Vorlage inspiriert waren, so aber nicht unbedingt im Comic vorkamen. Irgendwann wurde uns auch klar, dass wir im Vergleich zum Bilderroman, die von Natur aus dichterischer sein kann, unmittelbarer und direkter erzählen mussten.

Wie haben Sie die Figuren entwickelt?

Uns war es wichtig, dass der Bäcker im Vordergrund steht und die Handlung aus seiner Perspektive erzählt wird – im Gegensatz zum Buch, das unterschiedliche Blickwinkel hat. Es wäre jedoch verwirrend gewesen, wenn wir diese Struktur im Film übernommen hätten. Unsere Gemma Bovery unterscheidet sich im Grunde kaum von der Figur im Buch: Sie ist eine Mischung aus einer modernen Madame Bovary und einer Engländerin von heute, ist sprunghaft und unsicher und weiß nicht, wie sie ihre Gefühle ausdrücken und in welche Bahnen sie die Anziehungskraft lenken soll, die sie auf Männer ausübt.

Im Comic wirkt sie manchmal nicht sehr sympathisch, aber Pascal und ich haben versucht, sie liebenswert und großzügig zu zeichnen. Gewiss, sie manipuliert die Männer, aber im Grunde tut sie es gegen ihren Willen. Deshalb wirkt sie in unserem Film weniger berechnend, und sie verspricht sich tatsächlich etwas von der Liebe, genau wie einst Madame Bovary. Die Figur des Charlie kommt im Buch ziemlich neutral rüber, hat praktisch kein Charisma. Ich fand es interessant, ihn als Menschen zu zeigen, der Charme besitzt, auch wenn er nicht besonders aufregend ist. Was Patrick betrifft, so wird er im Comic als zwanghafter Verführer geschildert, aber ich wollte, dass er im Film merkwürdiger, undurchsichtiger und gefährlicher wirkt, was der Auflösung der Geschichte dann ja auch eine deutlich subtilere Komponente verleiht.

Der Bäcker gefällt sich in der Rolle eines Deus ex Machina und macht sich einen Spaß daraus, im Hintergrund die Strippen zu ziehen...

Ja, weil er ein Erzähler ist, einer, der, auf halbem Weg zwischen Filmemacher und Schriftsteller, in die Realität eingreift. Einmal steht er auf dem Marktplatz vor seiner Bäckerei und vertraut dem Zuschauer an, dass er sich wie ein Regisseur vorkommt, „der gerade Action gerufen hat“. Er beobachtet, wie der junge Schlossherr, den er Gemma höchstpersönlich vorgestellt hatte, auf sie zugeht, und dabei stellt er sich ihr Gespräch vor, spricht den Dialog laut vor sich hin, und dann wiederholen seine „Kreaturen“ exakt die Worte des Bäckers, so als wäre er eine Art Demiurg. Das verwirrt ihn natürlich ungemein. Immerhin wird er so massiv in das Privatleben dieser Figuren hineingezogen, dass er ihre Geschichte stellvertretend selbst erlebt.

Was aber nichts daran ändert, dass er leidet – ganz im Gegenteil.

Ja, denn egal, ob er von seinem Fenster aus das Haus gegenüber beobachtet oder auf dem Markt steht und zusieht, wie die Verbindung zwischen Gemma und dem jungen Schlossherrn, die er selbst herbeigeführt hat, konkrete Züge annimmt, sind es diese von ihm selbst erschaffenen Beziehungen, die ihn leiden lassen. Gut möglich, dass sich sein Liebesleben in der Vergangenheit durch Höhen und Tiefen auszeichnete. Doch seit er die Bäckerei übernommen hat und sich sein Alltag im Rahmen eines strukturierten Familienlebens abspielt, verläuft es in geordneten Bahnen.

Dieses Gleichgewicht wird jedoch durch Gemmas Ankunft empfindlich gestört. Plötzlich ist es ganz heftig um ihn geschehen, und weil der Name der jungen Frau zahlreiche Assoziationen weckt, wird die Beziehung für ihn zum Fetisch. Seine neue Leidenschaft hat zwei Aspekte: Zum einen malt er sich für Gemma eine Parallelwelt aus – und ein Schicksal, das sich tatsächlich zu erfüllen scheint –, zum anderen versetzt ihn diese unwiderstehliche Frau in erotische Unruhe. Wie dünnhäutig Martin ist, verrät er, wenn er sagt, dass zehn Jahre sexuelle Ruhe mit einem Schlag durch eine „nichtssagende Geste“ beendet wurden. Und wie so häufig ist es eine platonische Liebe, die besonders große Leiden verursacht, zumal sie in der Realität ja keinen Bestand hat.

Doch obwohl sich Martin als Regisseur sieht, kann er nicht verhindern, dass das Unvermeidliche geschieht...

Wie Gemma permanent in die Fußstapfen von Emma Bovary tritt, und zwar gegen ihren Willen, ist schon sehr ironisch und spricht Bände über die Fatalität und die Grausamkeit des Schicksals. Obwohl Joubert davon überzeugt ist, dass er alles im Griff hat, entgleitet ihm die Situation. Und das wiederum verleiht ihm menschliche Züge. In einer Szene sagt er ja, dass das Leben die Kunst imitiert – und findet sich somit in der Position desjenigen wieder, der keine andere Wahl hat, als den Dingen ihren Lauf zu lassen, weil er sie ja doch nicht beeinflussen kann. Die Wechselbeziehung zwischen Fantasie, Schicksal und Realität fasziniert mich sehr, denn sie sorgt für Überraschungen, und das ist es, glaube ich, was unseren Film von einer klassischen romantischen Komödie unterscheidet.

Täuscht der Eindruck, oder haben Sie die Figur des Martin seinem Darsteller Fabrice Luchini auf den Leib geschrieben?

Genau genommen hat ihn sich eine Engländerin ausgedacht. Aber als ich Posys Bilderroman las, drängte sich mir sofort Fabrice für diese Rolle auf – nicht nur, weil er als Schauspieler perfekt passt, sondern weil er jemand ist, der Flaubert buchstäblich im Blut hat. Da wir uns privat kennen und ich schon oft erlebt habe, mit welcher Leidenschaft er über „Madame Bovary“ spricht, schien es mir, als hätte diese Rolle geradezu auf ihn gewartet.

Beim Schreiben des Drehbuchs sagte ich mir, dass die Chancen gut standen, dass ihm diese Figur gefallen könnte, dass ihn dieser obsessive Literat, der bis zu dem Tag ein beschauliches Leben als Bäcker führt, an dem eine imaginäre Begegnung alles auf den Kopf stellt, genauso berührt wie mich. Dass ich Fabrice für diesen Part gewinnen konnte, war großartig, denn er hat nicht nur einen siebten Sinn für Fantasie und Ironie, er liebt auch die Sprache und erfreut sich an ihr, und genau darum geht es ja auch im Film.

Es war ein großes Glück, mit ihm zu arbeiten, denn für mich ist Fabrice der einzige, der diese Obsession für „Madame Bovary“ als etwas Selbstverständliches darstellen kann. Er musste bloß, auf seine unnachahmliche Weise, die Worte „Gemma Bovery“ aussprechen, und schon steckte er in der Haut des Helden, machte ihn sich zu eigen – auch seinen Wahnsinn. Das war umso wichtiger, weil es sich um eine Figur handelt, die das Leben der anderen vom Fenster aus betrachtet – ein Voyeur, der sich ausmalt, was ihnen alles widerfahren könnte. In gewisser Weise hat dieser Martin etwas von einem Regisseur, und deshalb fühlte ich mich ihm unterschwellig verbunden.

So wie in Ihrem Film hat man Fabrice Luchini im Kino bislang selten gesehen.

Ich wollte hervorheben, wie attraktiv er ist, den durchdringenden, strahlenden Blick aus seinen grünen Augen betonen. Da er eine Figur spielt, die ein eher nichtssagendes Sexleben zu führen scheint, fand ich es interessant, ihn mit körperlichem Charisma auszustatten. Fabrice ist reifer geworden, und die intensive Nüchternheit in seinen Zügen steht ihm ausgesprochen gut.

Wie sieht denn die Arbeit mit ihm aus?

Wir experimentieren viel und machen uns einen Spaß daraus. Dabei probieren wir verschiedene Klangfarben aus, übertreiben es in eine bestimmte Richtung und spielen herum, und dann legen wir irgendwann wieder den Rückwärtsgang ein. Den richtigen Ton zu treffen und sich zu fragen, wie weit man gehen kann, darauf kommt es an. Bei mir hat Fabrice sämtliche Freiheiten. Ich käme nie auf die Idee, ihn in eine künstlerische Zwangsjacke zu stecken. Normalerweise machen wir neun, zehn Aufnahmen, und dann sage ich: »Vergiss alles, was du von mir gehört hast, und spiel jetzt so, wie du es für richtig hältst.« Am Allerwichtigsten ist freilich dieses Grundvertrauen, das zwischen uns herrscht.

Kam Ihnen Gemma Arterton für die Rolle der Gemma in den Sinn, nachdem Sie sie in Immer Drama um Tamara gesehen hatten?

Ich hatte Gemma tatsächlich in Immer Drama um Tamara gesehen, aber eigentlich ging ich davon aus, dass sie kein Interesse an dieser Rolle haben würde, weil sie ja bereits eine Figur von Posy Simmonds gespielt hatte. Darum sah ich mir eine ganze Reihe von britischen Schauspielerinnen an, die sowohl sexy sein als auch Französisch beherrschen mussten. Doch leider war keine darunter, bei der es Klick gemacht hätte. Deshalb traf ich zu guter Letzt doch noch Gemma, und als sie die Tür öffnete und einen kurzen Text auf Französisch vortrug, den sie selbst geschrieben hatte, war mir auf Anhieb klar, dass ich es hier mit einer kleinen Atombombe zu hatte: Angesichts der Energie, die sie ausstrahlt, muss man sie einfach mögen.

Sie ist unglaublich schön, dabei aber warm und großzügig, somit baut sich auch keine Distanz auf. Dass ihre Filmfigur ständig hin und her laviert und Rückzieher macht, ist eher ihrer Jugend und Naivität zuzuschreiben und hat weniger damit zu tun, dass sie gern manipuliert. Probeaufnahmen machten wir keine, das fand ich überflüssig. Gemma verbrachte drei Monate in Frankreich, um sich mit der französischen Kultur und Mentalität vertraut zu machen, und erarbeitete sich anschließend ihre Filmfigur. Um zu verhindern, dass sie steif wirkt, wenn sie Französisch spricht (eine Gefahr, die bei Schauspielern droht, die für einen Film eine Fremdsprache erlernen), bat ich sie, ständig in Bewegung zu sein, permanent etwas zu tun. Abschließend möchte ich noch sagen, dass sie perfekt vorbereitet war, als sie ans Set kam, und dass sie mir verriet, dass sie und die Film-Gemma sehr viel gemeinsam hätten.

Wie sind Sie bei der Besetzung der übrigen Rollen vorgegangen?

Die anderen Darsteller habe ich erst engagiert, nachdem feststand, dass Fabrice und Gemma das Paar im Mittelpunkt der Geschichte spielen würden. Für mich symbolisieren die Nebenfiguren diese weit verbreitete Auffassung, dass sämtliche Briten Frankreich für ein grünes Paradies halten und dass alle Franzosen Briten mit Misstrauen begegnen. Darum geht es zwar nur am Rande, aber trotzdem bereichert es die Handlung. Dass Elsa Zylberstein bereit war, die Rolle einer Borderline-Persönlichkeit zu übernehmen, die unter seltsamen Phobien leidet und eine ganz merkwürdige Auffassung von Geschmäckern und Nahrung hat, fand ich großartig. Ihre Dialoge haben wir teilweise gemeinsam geschrieben, und ich war überrascht zu sehen, wie es ihr gelang, witzig zu sein, ohne das Ganze ins Lächerliche zu ziehen. Sie verkörpert den Geist von Posy Simmonds sehr gut, denn Posys Figuren wirken häufig etwas überzeichnet, sind aber trotzdem liebenswert.

Der Film verströmt eine außergewöhnliche Sinnlichkeit.

Ich fand, dass die Erotik auf indirekte, unterschwellige Art und Weise in der Landschaft und der Atmosphäre der Normandie zu spüren sein musste. Und natürlich in Martins Beruf. Er selbst sagt ja, dass es ihn total beruhigt, Teig zu kneten, das ist sein persönliches Yoga. Wenn er Gemma das Kneten beibringt und sie stehen dabei ganz nah zusammen, wohnt seinem Atem und seinen Bewegungen etwas sehr Erotisches inne – da die beiden keinen Sex miteinander haben, muss die Sinnlichkeit eben an anderer Stelle greifbar werden. Ich fand es amüsant, Martins Handwerk mit seiner regen geistigen Aktivität zu kontrastieren. Nach einer intellektuellen Laufbahn, die nicht gerade von Erfolg gekrönt war, sorgt Brotbacken bei ihm für eine gewisse Bodenhaftung.

Das Licht ist warm und schmeichelhaft. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Ihrem Kameramann Christophe Beaucarne?

Dies ist unser dritter gemeinsamer Film nach Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft und Tage am Strand. Für mich ist er also ein sehr wichtiger Mitarbeiter. Wir entschieden uns für warmes Licht mit viel Schmelz, wollten aber auch vermeiden, dass die Bilder allzu perfekt und glatt aussehen. Das Licht sollte in erster Linie natürlich wirken und die Realität widerspiegeln, aber dennoch der Gefühlslage der jeweiligen Szene entsprechen. Deshalb mussten wir unbedingt zu einem Zeitpunkt in der Normandie drehen, wenn die Gegend dort am schönsten ist. Es war uns sehr wichtig, einen sonnigen Film zu drehen, denn die Geschichte hat ja durchaus ihre düsteren Momente.

Die Bilder haben echtes Kinoformat...

Wir haben zwar im Cinemascope-Format gedreht, aber häufig mit der Handkamera, was den Bildern etwas Fließendes, Sinnliches verleiht, ohne dass wir dafür großartige Kamerafahrten machen mussten. Ich wollte den Film mehr oder minder aus Luchinis Blickwinkel zeigen, damit man ständig das Gefühl hat, da ist jemand, der alles beobachtet – selbst wenn er gar nicht zu sehen ist. So entsteht meiner Meinung nach eine mysteriöse, spannungsgeladene Atmosphäre. Im Übrigen musste die Kamera ständig geschmeidig zwischen Martins seltsamen Visionen (etwa die Halluzination in der Kathedrale oder die altmodische Ballszene) und der Realität hin und her wechseln, um zu verdeutlichen, dass wir uns im Grunde ständig in seinem Kopf befinden. ■ mz | Quelle: Prokino

27. September 2014
Ohne Cookies macht das Leben Internet keinen Sinn. Daher verarbeiten auch wir zumeist anonyme Daten und schenken Ihrem Browser ein paar Kekse. Welche Sorte wir hinterlegen, können Sie in unseren Datenschutzbestimmungen lesen. Sollten Sie damit einverstanden sein, klicken Sie bitte auf das Krümelmonster...
OT: Gemma Bovery
Drama/Komödie
F 2014
99 min


mit

Fabrice Luchini (Martin Joubert) Stephan Schwartz
Gemma Arterton (Gemma Bovery) Annina Braunmiller
Jason Flemyng (Charlie Bovery) Thomas Loibl
Isabelle Candelier (Valérie Joubert) Elisabeth von Koch
Niels Schneider (Hervé de Bressigny) Max Felder
Edith Scob (Madame de Bressigny) Heidi Treutler
Mel Raido (Patrick) Jakob Riedl
Elsa Zylberstein (Wizzy) Claudia Lössl
Pip Torrens (Rankin) David Williamson
Kacey Mottet Klein (Julien Joubert) Karim El-Kammouchi
u.a.

drehbuch
Pascal Bonitzer
Anne Fontaine
nach dem Bilderroman von Posy Simmonds

musik
Bruno Coulais

kamera
Christophe Beaucarne

regie
Anne Fontaine

produktion
Albertine Productions
Ciné@
Gaumont
Cinéfrance 1888
France 2 Cinéma
Canal+
France Télévisions
Orange Cinéma Séries
Ruby Films
BFI

verleih
Prokino

Kinostart: 18. September 2014