Sonntag, 20. Mai 2018
Interview mit Taylor Sheridan
Wind River
Taylor Sheridan
© Getty Images/Tommaso Boddi
Welche Ereignisse haben Ihren Film inspiriert?
Ich denke, es ist eine Abfolge von Ereignissen. Es sind Themen, die in einem Reservat vorherrschend sind und weitgehend ignoriert werden. Als ich mich endlich in einer Position befand, um diesen Geschichten eine Stimme zu geben, habe ich das getan.
Was oder wer hat die Figur von Jeremy Renner inspiriert? Warum wollten Sie ihn in dieser Rolle sehen?
Mich hat es interessiert, wie man nach einer Tragödie weitermacht, ohne mit ihr abgeschlossen zu haben. Das wollte ich anhand einer Figur erzählen. Ich wollte einen Weg finden, dem Publikum Augen zu geben und mit dem Leid und der Gewalt gegen Frauen in den Reservaten zu konfrontieren. Jeremy wollte ich für die Rolle haben, weil er eine echt einzigartige Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit vereint. Ich brauchte einen Schauspieler mit einer extremen Bandbreite und großer Subtilität, und Jeremy bringt das mit.
Wie kam es zur Besetzung von Kelsey Asbile und anderer weniger bekannter Schauspieler für den Film?
Wenn man einen Film besetzt, sucht man immer nach dem Richtigen, jemanden, der die Essenz einer Figur einfängt, die man erschaffen hat. Für Natalie suchte ich jemanden, der eine starke Willenskraft ausstrahlt. Ich wollte eine Kämpferin sehen, aber auch eine Frau, die Hoffnung und Jugend und Liebe ausstrahlt. Kelsey hatte das. Dasselbe gilt für die anderen Figuren. Tokala Clifford, der Sam spielt, wuchs tatsächlich in einem Reservat auf, genauso wie Martin Sensmeier, der Chip spielt. Sie kennen diese Welt sehr gut und waren in der Lage, diese Figuren zum Leben zu erwecken.
Können Sie etwas über Ihre Recherche erzählen?
Im Grunde war es einfach nur so, dass ich Freunde habe, die in Reservaten leben. Während Besuchen habe ich ihnen einfach nur zugehört, wie sie von ihren Erfahrungen erzählen. Ich habe viel Zeit mit den Menschen dort verbracht und festgestellt, dass ihre Geschichten ignoriert werden. Das war mein Prozess. Ich habe an ihrem Leben teilgenommen.
Nahmen Sie für die Produktion mit den Gemeinden der Ureinwohner Kontakt auf?
Ja, ich hatte den Stämmen der Arapahoe und Schoschonen im Wind-River-Reservat das Drehbuch zugeschickt, bevor wir mit dem Dreh begannen. Sie waren ungeheuer hilfreich und haben uns unterstützt. Sie besuchten uns beim Dreh und kamen zur Premiere in Sundance. Ihr Vertrauen war ausschlaggebend dafür, dass wir ihre Geschichte erzählen konnten.
Wie sind Sie bei der Besetzung der Figuren der Ureinwohner vorgegangen? Haben Sie mit Laien oder Bewohnern des Reservats gearbeitet?
Ja, eine ganze Reihe von ihnen war involviert. Die Frau, die Annie spielt, Martins Frau und Natalies Mutter, war eigentlich eine Statistin. Ich lernte sie am Drehort kennen und unterhielt mich mit ihr darüber, ob ihre eigenen Erfahrungen sich mit den Dingen decken, die wir im Film zeigen. Ich fragte sie einfach: „Hey, hättest du nicht Lust darauf, die Rolle zu übernehmen? Es könnte aber ziemlich anstrengend werden.“ Und sie sagte ja. Sie war keine Schauspielerin, jetzt ist sie es. Sie war sensationell. Ihre Arbeit ist erschütternd.
Wie war es, mit dem Tunica-Biloxi-Stamm in Louisiana zu arbeiten?
Das war klasse. Sie haben den Film unterstützt und bei seiner Finanzierung geholfen. Ihre Unterstützung hat mir und den Produzenten viel bedeutet. Sie haben mir kreativ vertraut und mich finanziell unterstützt.
Dem Eastern Shoshone Tribe und der Northern Arapahoe Tribe werden in den Produktionsnotizen gedankt. Können Sie erklären, was sie zum Gelingen des Films beigetragen haben?
Sie haben den Film umarmt. Sie haben mir erlaubt, die Flaggen ihrer Stämme und ihre Embleme kostenlos zu verwenden. Sie haben uns geholfen, diese Welt im Film zum Leben zu erwecken. Und dieser Dank war das Mindeste, was wir tun konnten.
Warum wollten Sie in Ihrer Trilogie dem amerikanischen Grenzland nachforschen?
Das moderne amerikanische Grenzland sagt viel darüber aus, wer wir als Volk sind. Dies ist ein neues Land. Dies sind Regionen, die wir erst vor kurzer Zeit besiedelt haben. Und man sieht die Konsequenzen der Besiedlung und der Assimilation auch heute noch sehr genau. Das hat man bisher noch in keinem Film gezeigt, und das wollte ich ändern.
Warum wollten Sie bei Wind River selbst Regie führen?
Dies war der eine Stoff, bei dem es mir wichtig war, dass er ein Erfolg wird. Also musste ich die volle Verantwortung darüber tragen können, was er aussagt und wie er es tut, aus Respekt vor den Menschen, um die es in dem Film geht, meinen Freunden aus den Reservaten, die die Dinge am eigenen Leib erfahren haben, die wir erzählen. Ich hatte nicht das Vertrauen, dass ein anderer Filmemacher dieselbe Vision haben würde.
Wie würden Sie Ihren Ansatz als Regisseur beschreiben?
Ich halte mich für einen wirklich naturalistischen Filmemacher. Realismus ist sehr wichtig. Ich strebe danach, die dargestellte Welt so akkurat und wahrhaftig wie möglich zu erzählen, und sicherzustellen, dass sich die Welt selbst wie eine eigene Figur anfühlt, weil sie für das Leben dort wichtig ist. Ich versuche, die Landschaft im Film so wahrhaftig zu zeigen, wie man sie in Realität empfindet.
Am Schluss des Films gibt es diesen Hinweis: „Statistiken über vermisste Menschen gibt es für jede andere Demographie, nur nicht für die Frauen der amerikanischen Ureinwohner. Keiner weiß, wie viele von ihnen wirklich vermisst werden.“ Wie sind Sie darauf aufmerksam geworden?
Ich habe das während meiner Aufenthalte in den Reservaten erfahren. Das wurde mir immer wieder erzählt. Es gibt keinerlei diesbezügliche Statistiken. Und der jeweilige Staat hat keinerlei Autorität in den Reservaten. Es gibt also niemanden, der Statistiken anfertigen könnte. ■ mz | Quelle: NFP
24. Februar 2018

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