Dienstag, 17. Oktober 2017
Killer's Bodyguard
The Hitman's Bodyguard
Darius Kincaid und Michael Bryce.
© 20th Century Fox

Das Teaserplakat mit der Parodie auf The Bodyguard mit Whitney Houston und Kevin Costner sagt alles: Der Film wird eine ordentliche Lachnummer mit viel Action, denn wenn „Shaft“ auf „Deadpool“ stößt, erwartet man ein Feuerwerk aus einfallsreich und originell choreografierten Kampfszenen, atemberaubenden Verfolgungsjagden und schenkelklopfenden Sprüchen. Patrick Hughes, seines Zeichens verantwortlich für den dritten der Expendables-Filme, lässt es ordentlich krachen und hat mit Salma Hayek und Gary Oldman noch hochkarätige Nebendarsteller in petto.

»I was up there. Now I am down here.«

Der Film beginnt mit Leibwächter Michael Bryce, der beste seiner Branche, der einen japanischen Geschäftsmann zum Privatjet bringt und seine Aufgabe bereits als beendet betrachtet, ganz nach seinem Motto „Langweilig ist es am besten“, als sein Klient plötzlich von einer Kugel getroffen wird, die offenbar aus hunderten von Metern Entfernung abgefeuert wurde. 2 Jahre später finden wir ihn wieder - in London, mit verschrammtem Auto und ebensolchem Ego. Nummer 1 war gestern. Der geknickte Held versucht, sich mit Gelegenheitsaufträgen zurück an die Spitze zu bringen, doch gelingt es ihm eher schlecht als recht.

Dann wird Auftragskiller Darius Kincaid geschnappt, Bryces Gegenspieler, der ihm die Arbeit schon oft schwer gemacht hat. Dieser lässt sich mit Interpol auf einen riskanten Deal ein, denn sein letzter Auftragsgeber, der skrupellose weißrussische Tyrann Wladislaw Dukhovitch, ist Kincaid ein wenig zu menschenfeindlich. Bisher hatten Kincaids Opfer immer Dreck am Stecken und ihr Ableben auch irgendwo „verdient“. Und wenn er gegen Dukhovitch aussagt, kommt im Gegenzug Kincaids geliebte, nicht minder draufgängerische Frau Sonia aus dem Knast. Es gibt nur ein klitzekleines Problem: Interpol bleiben nur 24 Stunden, um Kincaid vom Manchester nach Den Haag zu bringen – wohlwissend, dass die gesamte Strecke bis Holland mit Attentätern und Mördern gespickt ist, die ihn beseitigen sollen.

Natürlich geht alles schief, denn bei Interpol gibt es ein Informationsleck, weshalb Interpol-Agentin Amelia Roussel mit Kincaid zusammenarbeiten muss, um am ihre Mission erfüllen zu können. Und wie der Zufall es will, ist ihr Ex-Freund der ehemals beste Leibwächter Michael Bryce, der überhaupt nicht darüber erfreut ist, seinen Erzfeind zu beschützen, zumal er Amelia für seine Aberkennung des AAA-Status verantwortlich macht.

Doch im Sperrfeuer der gedungenen Mörder, die aus jedem erdenklichen Winkel auf sie schießen, gehen der skeptische Auftragskiller und sein völlig leidenschaftslos agierender Personenschützer eine schräge Zweckgemeinschaft ein. Sie trauen sich zwar gegenseitig nicht über den Weg, doch ihre launische Beziehung irgendwo zwischen tiefem Hass und heimlicher Bewunderung könnte sie unbeschadet bis nach Den Haag bringen, eine verflossene Liebe neu entfachen, Sonia retten und schließlich den ramponierten Ruf wiederherstellen...

»Why is everything always about love with you?«

»What else is there? I mean, take away the guns, the money, the travel, the perfect shot through a motherfucker's ear hole from 300 meters... I mean, none of that shit means dick if I can't tell Sonia about it!«

»Mir gefällt diese eigenartige Hassliebe zwischen Bryce und Kincaid«, sagt Ryan Reynolds. »Diese beiden Typen könnten nicht gegensätzlicher sein, aber im Verlauf der Geschichte entwickeln sie Respekt füreinander. Diese „Brumanze“ (und noch einige zusätzliche Liebesgeschichten) ergänzen die unglaublich verrückte Actionstory perfekt.« Samuel L. Jackson fügt an: »Ryan und ich gehen auf eine irrwitzige Europareise – zwei chaotische und komische Vögel, die eine sehr außergewöhnliche Chemie zueinander entwickeln.«

Es braucht einige Blessuren und Kratzer an Körper, Geist und Ego, um Bryce zu überzeugen, dass er und Kincaid eine gemeinsame Ebene finden können, doch letztlich lenkt er ein - was größtenteils auf Kincaids enorm charismatische Persönlichkeit zurückzuführen ist, mit der er sogar eine Busladung Nonnen um den Finger wickeln kann. Die Französin Elodie Yung, die derzeit als Elektra/Black Sky in den Marvel-Serien Daredevil und The Defenders zu sehen ist, spielt hier Bryces Ex-Freundin. Ihr machte es besonderen Spaß, Kincaid und Bryce dazwischenzufunken, um zu verhindern, dass der Film zu einem reinen Jungs-Club verkommt.

»Ich fand es toll, das Mädchen in dieser Jungswelt zu sein«, sagt sie. »Es ging schon mit diesem sehr lustigen Drehbuch los, und als ich am Set dann mit Ryan und Sam improvisierte, wurde es immer besser. Ich lachte pausenlos und weiß, die Zuschauer werden es auch lieben, ihnen zuzusehen. Die Beiden lieben selbst, was sie da treiben, und das überträgt sich auf das Publikum.«

Eine noch ganz andere Note bringt Salma Hayek als Kincaids Ehefrau Sonia ins Spiel, die in Amsterdam im Gefängnis sitzt - mit Ausblick auf eine Glockenturmuhr! Sonias Leidenschaft und Persönlichkeit ist nicht mal durch Gitterstäbe zu bändigen. »Sonia ist eine fantastische Rolle«, sagt die Schauspielerin, die die unkonventionelle Figur unbedingt spielen wollte. »Ihre Ehe ist ziemlich ungewöhnlich, immerhin ist sie mit einem Berufskiller verheiratet, aber sie selbst ist auch ausgesprochen taff. Wenn jemand Darius im Griff hat, dann Sonia, definitiv. Bei ihr weiß man nie, was als nächstes aus ihrem Mund kommt, sie ist unvergesslich. Ich liebe sie einfach – klar ist sie plemplem und unberechenbar, aber gerade deshalb ist es so aufregend, sie zu spielen.«

Die größte Herausforderung für Salma Hayek war die ausufernde Schlägerei in der Bar, mit der sie Kincaid davon überzeugt, dass sie die Richtige für ihn ist. »Ich konnte mich auch eine Woche nach der Szene kaum rühren«, gibt sie zu, »aber ich bin total glücklich, dass ich mit 49 immer noch kräftig austeilen kann und in der Lage bin, meine Stunts selbst auszuführen.«

Es macht unheimlichen Spaß, den Figuren bei ihrem Zusammenspiel zuzuschauen. Ihre Charaktere sind ordentlich ausgefeilt, bis hin zu Kincaids Tätowierungen - lediglich die Bösewichte wirken etwas oberflächlich. Die rasante Action ist mit schnellen Schwenks und Schnitten aufregend inszeniert. Natürlich darf hier auch die klassische Verfolgungsjagd durch die Grachten von Amsterdam nicht fehlen. Einzig die Szene, in der ein LKW mit ordentlicher Sprengkraft auf die Poller vor dem Gerichtsgebäude trifft, wo die Demonstranten stehen, geht ein wenig ans Eingemachte, da die Gefahr eines solchen Attentats heutzutage allgegenwärtig ist. Aber immerhin werden die Bösewichte wie erwartet zur Strecke gebracht, jede Menge Aua verteilt, bevor unsere Helden klassisch im Blaulicht-Chaos ins Happy-End gehen. Es mag dem Film an Spannung fehlen, doch die Action, die flotten Dialoge sowie die Schauspieler bügeln dieses Manko wieder weg, weshalb einem unterhaltsamen Popcorn-Abend nichts im Wege stehen sollte. ■ mz

14. September 2017

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