Sonntag, 17. Dezember 2017
Kumail und Emily - Die wahre Romanze
The Big Sick
Emily und Kumail bei den Draharbeiten
© While you were comatose LLC/Nicole Rivelli

Kumail Nanjiani wurde am 21. Februar 1978 als Sohn eines Psychiaters in Karatschi, der größten Stadt Pakistans, geboren. Er besuchte die Karachi Grammar School, wo auch die bereits mit zwei Oscars® ausgezeichnete Dokumentarfilmerin Sharmeen Obaid-Chinoy zu seinen Klassenkameradinnen gehörte. Mit 18 Jahren zog er nach Amerika und besuchte das Grinnell College in Iowa, wo er ein Doppelstudium in Informatik und Philosophie absolvierte.

Seine Familie folgte ihm bald darauf nach Amerika und zog nach New Jersey. Von dort schickten sie Kumail regelmäßig Kontakte zu ledigen pakistanischen Frauen in seiner Nähe. Doch noch während des Studiums legte Kumail den schiitischen Glauben ab und wurde Atheist. Nach seinem Studium zog er nach Chicago, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, z.B. als IT-Spezialist, durchschlug – ein (wie er selbst beschreibt) wahr gewordenes Südasiatenklischee.

Schon bald begann er, abends auf den lokalen Comedy-Bühnen, wie dem Cubby Bear, als Stegreifkomiker aufzutreten. Eigenen Angaben nach war seine Motivation hierfür die Trauzeugenrede von Hugh Grant in Vier Hochzeiten und ein Todesfall (1994). Anfangs weigerte sich Kumail, seine Herkunft in seinen Shows zu thematisieren. Er wollte auf der Bühne einfach nur über Videospiele und Horrorfilmklassiker quatschen, oder über den Plural von „Oktopus“ philosophieren. Aber nach 9/11 stand seine muslimische Herkunft wie ein Elefant im Raum, wenn er die Bühne betrat, und er begann, seine Shows mit dem Satz: „Keine Sorge, ich bin einer von den Guten“, zu eröffnen. Dann war das Publikum sofort entspannt. Bei einem seiner Auftritte lernte er 2006 die damals 27-jährige Emily Gordon kennen, die ihn während der Show mit unangemessenen Zwischenrufen verwirrte.

Emily Vance Gordon wurde 1979 in Winston-Salem, North Carolina, geboren. Nach ihrem Bachelor in Psychologie an der University of North Carolina in Greensboro zog sie 2005 nach Chicago, um einen Master in Paar- und Familientherapie zu absolvieren. Dort lernte sie ein Jahr später Kumail kennen, der sie anfangs vor allem mit seinem enzyklopädischen Wissen über den berühmten Sega-Igel Sonic beeindruckte.

Wenige Monate nach ihrem Kennenlernen befiel Emily eine rätselhafte Krankheit. Sie lag 12 Tage im künstlichen Koma, während die Ärzte verzweifelt versuchten, den Grund für die innere Infektion zu finden, die sie befallen hatte. Kumail sollte zu dieser Zeit eigentlich mit Zach Galifianakis auf Tour gehen, doch er blieb in Chicago und besuchte Emily jeden Tag im Krankenhaus. Er schwor sich, sie zu heiraten, sollte sie jemals aus dem Koma erwachen.

Schließlich diagnostizierten die Ärzte die seltene autoinflammatorische Erkrankung AOSD. AOSD steht für „Adult-onset Still's Disease“, zu Deutsch „Adulter Morbus Still“ oder „Morbus Still des Erwachsenen“ und ist verhältnismäßig leicht zu behandeln, wenn es erst diagnostiziert wurde. Im Mai 2007 wurde Emily aus dem Krankenhaus entlassen und am 14. Juli heirateten sie und Kumail in der Chicago City Hall mit sechs Freunden als Trauzeugen.

Zwei Wochen später organisierten Kumails Eltern eine muslimische Hochzeit in New Jersey. Der bestellte Geistliche weigerte sich jedoch, die Zeremonie für jemanden mit nicht-muslimischen Namen durchzuführen, also trug Emily an diesem Tag den Namen Imam. Am selben Tag bekam Emily von Kumails Mutter Shabana den Familienschmuck vererbt. Um dem Kennenlernen von Kumails Eltern, deren Ehe während eines Kinonachmittags arrangiert wurde, Tribut zu zollen, schauten Kumail und Emily an ihrem Hochzeitstag gemeinsam einen Film: Vier Hochzeiten und ein Todesfall, einer von Kumails Lieblingsfilmen.

2007 gelang Kumail nicht nur im Privaten, sondern auch im Beruflichen der Durchbruch. Seine Show Unpronounceable, deren Titel auf die Äußerung eines Zollbeamten zurückgeht, der bei Kumails Einreise in die USA Schwierigkeiten mit der Aussprache seines Namens hatte, wurde ein Hit. Es folgten Auftritte in den Shows von Jimmy Fallon, David Letterman und Jimmy Kimmel sowie Nennungen in Varietys „10 Comics to Watch“, den „10 rising Comedy Talents“ des Hollywood Reporters und den „10 Comedians that Funny People find funny“ des New York Magazines.

Nun musste Kumail nicht mehr als IT-Spezialist arbeiten. Im Oktober 2007 zogen er und Emily nach New York, wo Kumail u.a. auch als Sketch-Schreiber und Darsteller an Michael Showalters Sendung Michael & Michael have Issues mitwirkte. Nachdem Kumail schließlich doch noch als Opening Act für Zach Galifianakis auf Amerika-Tournee ging, zogen er und Emily 2010 nach Los Angeles. Emily hörte auf, als Therapeutin zu arbeiten, und begann, auch beruflich mit Kumail gemeinsame Wege zu gehen. 2010 entwickelte und produzierte sie mit Kumail die Stegreif-Comedy-Show The Meltdown with Jonah and Kumail, in der Kumail und sein Freund Jonah Ray in einem Hinterhaus des berühmten Meltdown Comics-Ladens am Sunset Boulevard in L.A. Gäste empfangen. Von 2014 bis 2016 wurde die Show von Comedy Central live übertragen.

In L.A. begann Kumail, auch kleinere Rollen in Film und TV anzunehmen. Anfangs waren dies Kleindarstellerrollen, doch nach und nach bekam er auch profundere Rollen, vor allem in TV-Serien wie Portlandia, Franklin & Bash und Veep. Seit April 2014 spielt er die Rolle Dinesh in der HBO-Sitcom Silicon Valley, die bereits mit dem TV Critics Choice Award als beste Komödienserie, zwei Emmys® und Golden Globes® ausgezeichnet wurde und zahlreiche weitere Nominierungen erhielt. 2015 war Kumail einer der 12 Angry Men inside Amy Schumer.

2013 schaffte es seine Show „Kumail Nanjiani: Beta Male“ auf eine Vielzahl von Bestenlisten wie z.B. die von Vulture, Village Voice und The AV Club. Die Show wurde darüber hinaus von Entertainment Weekly als eine der fünf besten Stand-up-Alben des Jahres benannt. Zusätzlich zu seiner Arbeit in Film und TV arbeitete Kumail an zahlreichen Podcasts, wie z.B. „The Indoor Kids“, einem Videospiele-Podcast, den er 2011 mit Ali Baker ins Leben rief und später gemeinsam mit Emily weiterführte, oder „The X-Files Files“, in dem er Folgen der Serie Akte X ausgiebig diskutierte. Letzter brachte ihm sogar eine Gastrolle in der 2016 wiederbelebten Serie ein.

Emily Gordon arbeitet neben ihren Projekten mit Kumail als freischaffende Autorin für verschiedene Magazine wie The Daily Beast, Huffington Post, The Atlantic, GQ, Refinery 29 und The New York Times. 2015 veröffentlichte sie ihr erstes Buch, „SuperYou: Release your inner Superhero“, einen nicht ganz ernst gemeinten Selbsthilfe-Ratgeber. Sie schrieb außerdem zwei Webserien für Disney.com und eine Episode der Carmichael Show für NBC.

Kumail und Emily wohnen in Los Angeles. Emilys Eltern sind inzwischen aus North Carolina nach New Jersey in die Nähe der Nanjianis gezogen. ■ mz | Quelle: Weltkino

18. November 2017

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