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Knowing - Interview mit Regisseur Alex Proyas

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Know1ng

Als Sohn griechisch-ägyptischer Eltern in Ägypten geboren, zog Alex Proyas im Alter von zwei Jahren nach Australien. Als Einzelkind wuchs er in einfachen Verhältnissen in der Innenstadt von Sydney auf und zeigte schon früh eine Leidenschaft für Kunst und Film. Mit zehn Jahren bekam er seine erste Super-8-Kamera zum Geburtstag und wurde bereits mit 17 Jahren als bis dato jüngster Student an der Filmschule von Sydney angenommen.

Im Rahmen seines dreijährigen Studiums drehte er unter anderem den Kurzfilm Groping, der international gefeiert und 1982 beim London International Film Festival mit einem Preis geehrt wurde. Spirits of the Air, Gremlins of the Clouds (Spirits, 1989), seinen ersten langen Spielfilm, schrieb, inszenierte und ko-produzierte Proyas 1989. Auch dieser Film sorgte international für Aufsehen und wurde auf verschiedenen Festivals mit Auszeichnungen bedacht.

1994 schrieb und inszenierte er den Kurzfilm Welcome to Crateland, der im Wettbewerb des Festivals von Cannes lief. Im selben Jahr stellte er auch den Spielfilm The Crow fertig, in dem Brandon Lee die Hauptrolle spielte. Nach dem Erfolg dieses Films gründete Proyas seine Produktionsfirma Mystery Clock Cinema, um selbst Spielfilme zu entwickeln und zu produzieren.

Auch seinen dritten Film Dark City stellte Proyas 1998 in Personalunion als Regisseur, Autor und Produzent auf die Beine. Bis heute gilt der düstere Film vielen Fans auf der ganzen Welt als Kult. Die Hauptrollen spielten Rufus Sewell, Kiefer Sutherland, Jennifer Connelly, Ian Richardson und William Hurt.

Beim Festival von Sundance im Januar 2003 präsentierte Proyas die Musikkomödie Garage Days als Weltpremiere. Ein Jahr später feierte der Regisseur, der noch immer in Sydney lebt, mit I, Robot seinen bislang größten Erfolg. Der Science Fiction-Thriller mit Will Smith spielte weltweit rund 400 Millionen Dollar ein.

Herr Proyas, was steckt hinter der doch sehr düsteren, apokalyptischen Zukunftsvision von Knowing?

Nun, ich werde an dieser Stelle natürlich nichts über das Ende des Films verraten, denn das wäre in diesem Fall ganz besonders fatal. Aber davon abgesehen, empfinde ich den Film ohnehin nicht als einen düsteren oder pessimistischen, sondern halte ihn im Gegenteil für sehr hoffnungsvoll. Letzten Endes handelt er von der Hoffnung, die wir an unsere Kinder weitergeben, und davon, dass das Leben in der Zukunft weiter geht. Vorher passieren natürlich auch einige fürchterliche Dinge – aber das ist ja in den tatsächlich apokalyptischen Zeiten, in denen wir leben, noch nicht einmal mehr etwas Besonderes. Es war mir also wichtig, dass der Film die Zeit widerspiegelt, in der er entstanden ist. Außerdem sollte Knowing ein Katastrophenfilm sein, der seinem Namen auch alle Ehre macht und am Ende nicht feige kneift. Aber noch wichtiger war mir, wie gesagt, die Hoffnung.

Was meinen Sie, wenn Sie von apokalyptischen Zeiten sprechen? Könnte das Ende der Welt tatsächlich nahe sein?

Ich hoffe es natürlich nicht. Und wenn ich wissen würde, dass es so ist, dann würde ich vermutlich nur noch wie ein Irrer schreiend durch die Gegend rennen und versuchen, die Leute zu warnen. Aber ich bin auf jeden Fall der Ansicht, dass unsere Zivilisation mittlerweile an einem Punkt angelangt ist, an dem wir Menschen einige wirklich ernsthafte Entscheidungen treffen müssen. Wir müssen aufhören, unseren Kopf in den Sand zu stecken wie ein Vogel Strauß, was wir leider viel zu gerne und viel zu oft tun. Stattdessen müssen wir endlich etwas verändern, denn die Zeit wird bald knapp. Wenn ich dafür mit Knowing noch einmal ein wenig Aufmerksamkeit schaffen kann, würde mich das als Regisseur natürlich sehr glücklich machen.

Dass es die kommende Generation, also unsere Kinder, ist, auf deren Schultern die Hoffnungen und Erwartungen der Menschheit liegen – haben wir das schon wirklich begriffen?

Nein, leider nicht, und das ist sehr traurig. Es erscheint auf den ersten Blick so offensichtlich, aber trotzdem hinterlässt jede Generation der nächsten einen riesigen Haufen Mist, ohne sich darüber Gedanken zu machen. Ich finde es höchst erstaunlich, dass Menschen sich individuell immer wieder unglaublich Sorgen um ihre Kinder machen, wovon aber kaum etwas übrig bleibt, sobald es nicht mehr um den Privatbereich, sondern die Allgemeinheit geht. Dabei muss es in meinen Augen das Wichtigste sein, der kommenden Generation nicht nur Hoffnung, sondern eben auch eine Welt zu hinterlassen, die nicht völlig ruiniert ist.

Haben Sie denn Recherchen angestellt, wie realistisch die im Film gezeigten Szenarien sind?

Selbstverständlich! Alles was wir zeigen, ist zwar nicht unbedingt wahrscheinlich, aber absolut im Bereich des Möglichen. Es war uns schon sehr wichtig, dass von der wissenschaftlichen Seite her alles stimmt, selbst wenn vermutlich eher ein Meteorit die Erde zerstören wird, als dass das eintritt, was sich in Knowing ereignet.

Wie stark ist Ihr eigenes Interesse an der Zukunft, an Prophezeiungen? Würden Sie wissen wollen, was Ihnen und Ihren Lieben bevorsteht?

Wirklich beantworten kann ich Ihnen das nicht. Immerhin habe ich einen ganzen Film zu dieser Frage gedreht und mich in den vergangenen Jahren eigentlich mit nichts anderem beschäftigt als mit allen möglichen Positionen dazu. Rose Byrnes Figur hat in Knowing auf die Frage eine ganz andere Antwort als Nicolas Cage, aber ich finde beide sehr nachvollziehbar. Dass dieses Thema auf jeden Menschen eine gewisse Faszination ausübt und dabei immer wieder eine ganz individuelle Angelegenheit ist, fand ich an dieser Geschichte besonders spannend.

Knowing besticht durch einige beeindruckende Bilder und Szenen. Welche davon hatten Sie schon vor Drehbeginn ganz klar im Kopf?

Den Flugzeugabsturz beispielsweise sah ich schon ganz klar vor meinem inneren Auge, als wir noch am Drehbuch arbeiteten. Ich wusste immer, wie ich ihn drehen würde, nämlich in einem einzigen Take. Auch den Polizisten, der erschrocken hoch guckt und dann wegläuft, hatte ich früh im Kopf, denn ich finde es immer höchst amüsant, wenn Polizisten wegrennen wie Feiglinge. Es ging jedenfalls nur noch darum, wie ich das technisch alles umsetzen kann. Bei anderen Szenen wie etwa dem U-Bahn-Crash hatte ich vorab eine grobe Ahnung, was passieren sollte, doch den genauen Ablauf haben wir dann in der direkten Arbeit entwickelt. Ich habe mich dieses Mal gezwungen, nicht ganz so strukturiert und mit Storyboards geplant zu arbeiten, wie ich es sonst eigentlich immer tue. Knowing sollte unmittelbarer, echter und mitunter improvisierter wirken als alles, was ich bisher gemacht habe.

Wie haben Sie den Flugzeugabsturz überhaupt gedreht? Was ist in dieser Szene CGI und was ist echt?

Es ist wirklich eine Mischung aus beidem, letztlich um genau die Wirkung zu erzielen, die ich eben beschrieben habe. Spezialeffekte sind ja heutzutage überhaupt nichts Besonderes mehr. Selbst mein Vater weiß mittlerweile, wie solche Tricks entstehen. Deswegen wollte ich ein bisschen weg von diesem stilisierten Ansatz des Filmemachens, denn die Leute sollten wirklich das Gefühl haben, dass sie etwas Echtes sehen. Also habe ich versucht, alles ein wenig aufzumischen und tatsächliche Explosionen und Requisiten mit Computertricks kombiniert.

Vielleicht noch ein Wort zu Ihrem Hauptdarsteller...?

Oh, Nicolas Cage ist wunderbar! Ich war immer schon ein großer Fan von ihm, denn bei ihm weiß man nie, was einen erwartet. Er macht nie zweimal das gleiche und schafft es immer wieder, mich vom Hocker zu hauen. Seine Stärke liegt wirklich darin, dass er an jede Geschichte und jede Figur mit enormer Leidenschaft und Intensität herangeht. Ich wusste also, dass ich mit jemandem zusammenarbeite, der unglaublich mutig ist in seiner Arbeit und sich nicht ständig hinterfragt. Genau das zeichnet meiner Meinung nach einen großen Schauspieler aus. Sobald die Kamera lief, war er nicht mehr Nicolas Cage, sondern John Koestler. Daran lag mir enorm viel, denn noch keinem meiner Filmhelden fühlte ich mich so nahe wie ihm – und Nic ging es anscheinend ähnlich. Fast wollten wir daraus schon schließen, dass wir beiden also letztlich ein und dieselbe Person seien.

Gedreht haben Sie in Ihrer Heimat Australien. Warum?

Die ehrliche Antwort lautet ganz schlicht: weil es einfacher ist. Rein logistisch gesehen, denn ich habe mittlerweile schon so oft dort gearbeitet, dass ich alle Strukturen gut kenne und bereits ein eingespieltes Team zur Verfügung habe. Im Grunde ist es heutzutage ja fast egal, wo man einen Film dreht, denn alles lässt sich künstlich herstellen. Knowing spielt unter anderem in Boston und New York, dabei haben wir für den Dreh (abgesehen von Aufnahmen der Second Unit natürlich) Australien nie verlassen. Es sprach also alles dafür, zu Hause zu bleiben! ■ mz | Quelle: Concorde

SciFi/Fantasy/Action/Drama
USA/AUS 2008
122 min


mit
Nicolas Cage (John Koestler) Martin Keßler
Chandler Canterbury (Caleb Koestler) Felix Saalfrank
Rose Byrne (Diana Wayland) Ranja Bonalana
Lara Robinson (Lucinda Embry/Abby Wayland) Mathilda von Benda
Ben Mendelsohn (Prof. Phil Beckman) Olaf Reichmann
Nadia Townsend (Grace Koestler) Marie-Luise Schramm
u.a.

drehbuch
Ryne Douglas Pearson
Juliet Snowden
Stiles White
Stuart Hazeldine
Alex Proyas

musik
Marco Beltrami

kamera
Simon Duggan

regie
Alex Proyas

produktion
Escape Artists
Goldcrest Pictures
Kaplan/Perrone Entertainment
Mystery Clock Cinema
Summit Entertainment
Wintergreen Productions

verleih
Concorde

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